blurred crowd of anonymous people

Sind Bewerbungen bald anonym? Pro & Contra von anonymen Bewerbungen

Die Digitalisierung und die weltweite Pandemie haben die Arbeitswelt nachhaltig verändert. Die Prozesse im Recruiting und die Bewerbungsverfahren werden neu gedacht. Ein neuer Ansatz: Die anonyme Bewerbung. Erfahren Sie hier was es damit auf sich hat…

Alleine der Name oder die Haarfarbe können ausreichen, um bei einer Bewerbung schon vorab abgelehnt zu werden. Viele Vorurteile sind leider, auch wenn nicht unbedingt bewusst oder gewollt, tief verankert.
„Ältere Mitarbeiter*innen sind nicht mehr so leistungsfähig“, „junge Frauen werden schwanger“, „Menschen mit Migrationshintergrund haben eine Sprachbarriere“ – die Angaben in einer Bewerbung wie zum Beispiel zu Familienverhältnissen oder ein Bewerbungsfoto können für die Bewerber*innen so zum Vor- oder Nachteil werden.
Trotz geeigneter Qualifikation werden Talente oft aufgrund von Persönlichkeitsmerkmalen vorab aussortiert.

Eine anonyme Bewerbung verzichtet auf personenbezogene Daten und soll Ungerechtigkeit und Diskriminierung entgegenwirken und die Chancengleichheit steigern.

Was ist eine anonyme Bewerbung?

Ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren soll dazu dienen, dass die Personalverantwortlichen keine Rückschlüsse zur Person, die hinter den Bewerber*innen steckt, ziehen können. Bei einer anonymen Bewerbung lassen Bewerber*innen also sowohl im CV, als auch im Anschreiben alle persönlichen Daten weg. Konzentriert wird sich lediglich auf Fachkenntnisse, Kompetenzen und berufliche Erfahrungen.

Wie läuft ein anonymes Bewerbungsverfahren ab?

Bewerbungen ohne personenbezogene Daten müssen dementsprechend auch anonym versendet werden können. Viele Unternehmen machen es den Interessent*innen mittlerweile möglich sich anonym zu bewerben. Dies gelingt durch standardisierte Formulare, in denen keine Angaben zur Person oder Zeugnisse erforderlich sind. Das Bewerbungsformular sollte anschließend, am besten mit einem Klick an eine neutrale Mail-Adresse (z.B. Bewerbung@…) abgeschickt werden können.

Bewerber*innen können somit ausschließlich durch die für die Stelle erforderlichen fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten überzeugen – Personalverantwortliche nur anhand dessen auswählen, wer in die nächste Runde kommt. Erst wenn eine Person zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, müssen die  notwendigen konkreten persönlichen Daten offengelegt werden.

Die Vorteile und Nachteile einer anonymen Bewerbung auf einen Blick

Vorteile:

Da nur die berufliche Qualifikation und Fähigkeiten bewertet werden, haben alle Bewerber*innen die gleichen Chancen im Bewerbungsprozess.

Wenn keine personenbezogenen Daten angegeben werden, ist das eigentlich wichtige besser ersichtlich. Die Schlüsselqualifikationen lassen sich auf einen Blick erkennen und somit leichter untereinander vergleichen.

Die anonyme Bewerbung ist wie ein Blind-Date. Personalverantwortliche haben, auch wenn unterbewusst, meinst einen bestimmten Typen und rekrutieren immer  wieder Personen, die ins Schema passen. Zu einem “Blind-Bewerbungsgespräch” werden jedoch auch Talente eingeladen, die auf anderer Weise keine Beachtung bekommen hätten. Somit können neue Personengruppen erschlossen werden.

Ein standardisiertes Verfahren mit Bewerbungsformular macht es Personalern durch die komprimierte Form der Bewerber*innen Daten einfacher, alle Kandidat*innen zu sichten.

Nachteile:

Interessent*innen, die noch nicht viel Berufserfahrung (in dem Bereich) sammeln konnten, können sich nicht hervorheben. Da sie nicht über die relevanten Stationen im Lebenslauf verfügen, ist eine anonyme Bewerbung für Berufseinsteiger*innen also nicht geeignet.

Nur weil alle die selben Chancen haben, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, heißt das nicht, dass alle auch die gleiche Chance auf eine Einstellung haben. Kritik wird oft daran geübt, dass zwar bei der Bewerbung auf persönliche Daten verzichtet wird – spätestens beim Vorstellungsgespräch ist dies jedoch wieder hinfällig. Eine Diskriminierung kann aus diesem Grund auch nur aufgeschoben werden – auf den Punkt an dem die personenbezogenen Informationen bekannt sind.

Penibel darauf zu achten, dass nirgends Rückschlüsse auf die eigene Person gezogen werden können ist für Bewerber*innen zum Teil sehr aufwändig. So muss beispielsweise eine neutrale E-Mail Adresse erstellt werden, die den eigentlichen Namen nicht enthält. Aber auch für Unternehmen ist es zeitintensiver als im normalen Bewerbungsverfahren, ein passendes Formular und eine treffende Stellenausschreibung zu erstellen.

Neben fachlicher Qualifikation ist vor allem die Persönlichkeit der Bewerber*innen ein entscheidender Faktor für die Passung der Stelle. Diese wird jedoch beim anonymisierten Bewerbungsverfahren komplett außer Acht gelassen. Dabei ist die Persönlichkeit von Bewerber*innen relevant für Arbeitserfolg und Zufriedenheit mit dem Job.

Mehr zu diesem Thema finden Sie hier:  Persönlichkeitstests bei der Personalauswahl: Ist das sinnvoll?

Eine anonyme Bewerbung kann sogar hinderlich sein – nämlich bei der Besetzung von Führungsstellen oder bei kreativen Berufen, für die Soft-Skills eine große Rolle spielen.

Anonym gleich fair? Ist eine anonyme Bewerbung sinnvoll?

Bisher hat sich die anonyme Bewerbung noch nicht durchgesetzt. Die meisten deutschen Unternehmen setzen wie gewohnt auf ein klassisches Bewerbungsverfahren – personenbezogene Daten inbegriffen. Die Idee und das verfolgte Ziel hinter der anonymen Variante ist zwar äußerst sinnvoll, jedoch scheitert es meistens bei der praktischen Umsetzung.

So können zum Beispiel manche Stationen im Lebenslauf ungewollt auf persönliche Eigenschaften hinweisen. Gibt man an im Wehr- oder Zivildienst tätig gewesen zu sein, gibt dies wohl oder übel Aufschluss über das Alter und Geschlecht. Wird solch eine Station weggelassen gleicht dies jedoch einer Lücke im Lebenslauf.

Auch wird teilweise das Ziel von mehr Diversität und Gleichberechtigung verfehlt bzw. gehindert. Durch ein anonymes Bewerbungsverfahren kann zum Beispiel die sog. “Frauenquote” in Unternehmen nicht umgesetzt werden. Auch können Fachkräfte aus dem Ausland nicht gezielt als internationaler Bestandteil im Unternehmen akquiriert werden. Auf dieser Weise entgehen den Unternehmen wichtige Kandidat*innen.

Zudem ist anzumerken, dass eine Diskriminierung lediglich im ersten Bewerbungsschritt verhindert werden kann. Kommt es zu einem Bewerbungsgespräch, sind Personalverantwortliche wohlmöglich spätestens dann voreingenommen und treffen ihre Entscheidung aufgrund von Vorurteilen. Vorurteile und Diskriminierung lassen sich also auch nicht durch die Methode der anonymen Bewerbung ganz ausschließen.

Dazu kommt auch, dass viele große Unternehmen das Verfahren bereits getestet und wieder verworfen haben. Für Bewerber*innen ist es also weiterhin die beste Lösung mit einer aussagekräftigen, individuellen, persönlichen Bewerbung zu überzeugen.

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